HdG

HAUS DER GEMEINSCHAFT

EIN RATHAUS IN ERBACH

Entwurf Wintersemester 2019/20

Der Typus Rathaus ist in seiner Funktionsweise tief veranktert in unserem urbanen Gefüge. Dieser Typus ist einerseits ein Profanbau, in welchem Verwaltungs-, Büro-, als auch Versammlungsäume ihren Platz finden müssen, andererseits übernimmt er die Aufgabe der Repräsentation eines politischen Selbstverständnisses. Der Typus Rathaus ist somit eine hybride Gebäudestruktur und Teil des gebauten Fundaments politischer Entscheidungsgewalt. Der Ort der Aufgabe liegt auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, einem Verbund von teilsouveränen Bundesländern. Die Partizipation der Bevölke- rung an politischen Entscheidungen erfolgt hier nicht direkt. Durch Wahlen werden politische Entscheidungsträger bestimmt, welche im Bundestag, Bundesrat, in den Landtägen und letzten Endes in den einzelnen Gemeinden in Entscheidungsräumen zusammenkommen. Diese Räume bedürfen in ihrer Struktur, ihrer städteräumli- chen und innerräumlichen Gestalt eine spezifische Ausformulierung und Berücksichtigung der Funktionen des Profanen und der Repräsentation. In „Philosophie der Architektur“ stellt sich Ludger Schwarte die grundsätzliche Frage nach dem Potential des Raumes, unser Verhalten zu beeinflussen und zu wandeln. Er beginnt seine Ausführungen mit dem eindrücklichen Beispiel der Französischen Revolution. Sie entlud und vollzog sich in Räumen, die noch keine hundert Jahre alt waren. Wenn wir den Gedanken Schwartes einmal weiterspielen, wird deutlich wie einzelne Bauwerke, wie beispielsweise die Bastille für immer mit gesellschaftlichen Ereignissen und einer Staatsidentität verbunden sind. Der Raum ist ein gesellschaftliches Produkt, welches dementsprechend von der Gesellschaft organisiert und konfiguriert wird. Bis zur Industrialisierung gab es eine räumliche und organisatorische Grenze zwischen der Stadt und dem Land. Mit der Industrialisierung aber explodierte der urbane Raum und das „tissue urban“ mit seinem Verkehrs-, Organisations-,und Kontrollnetz wurde über das Land verstreut. Henri Lefebvre bezeichnete dies als Urbanisierung des Raumes. Jede Gesellschaft und damit auch Gesellschaftsform produziert dabei seine eigene räumliche Konfiguration. Dieses „tissue urban“ ist im abstrakten Raum der kapitalistischen Gesellschaftsform eine über die Landschaft gezogene Struktur. Dieses homogene Gebilde bedarf zentralisierender Räume des Konsums, Ordnung und des Phallischen, aber auch Orte der Repräsentation. Die Stadtverwaltung organisiert das gesellschaftliche, kulturelle und politische Geschehen der Gesellschaft. Im Rathaus finden diese Funktionen eine materialisierte Entsprechung.

Natascha Almeida

Robin Thomä

Sophia Linn

Jannik Busch

Jannika Rühl

Kathleen Griguhn