KONSUMFREIE ZONE

Städtisches Leben im profitfreien Raum

Lehre – Archiv

Entwurf Wintersemester 20/21

Ein mittelalterlicher Block im Stadtkern Göttingens bedarf der Intervention. Das weitgehend intakte Gefäß der Randbebauung weist eine durchgängige Lücke auf. Die größtenteils erhaltenen Fachwerkhäuser dienten einst dem Handwerk, dem Handel und dem Wohnen. Seit der funktionalen Entflechtung in der Neuzeit sind sie, neben einem permanenten Anteil an Wohnungen, nahezu ausschließlich dem Gewerbe gewidmet. Die Innenstadt verliert als Umschlagplatz an Waren jedoch zunehmend an Bedeutung. Der obsolet gewordene Bau einer Textilhandelskette eröffnet die Chance, Stadt neu zu denken und für die Zukunft aufzustellen. Wir reflektieren Impulse menschlichen Zusammenlebens wie soziale Nähe und kulturelle Dichte und untersuchen die morphologische Gestalt mit Blick auf ihren Inhalt. Wir befassen uns mit den architektonischen Themen Durchwegung, Gliederung der Baumassen, Höhenentwicklung und Einfügung in die denkmalgeschützten Straßenzüge. Die integrative Gestaltung von Gefäß und Inhalt verweist auf die Ursprünge der Stadtgestaltung und weist den Weg in eine postkommerzielle Zukunft. Unsere mittelalterlichen Städte sind Zeugnis einer kollektiven Leistung. Die funktionale Entflechtung in der Neuzeit hat die Innenstädte zu Zonen des Konsums degradiert. Doch der Handel wandelt sich, Onlineshopping ersetzt zunehmend den Einzelhandel. Droht der Stadt damit die Sinnentleerung? Der Mensch sucht soziale Nähe und Sicherheit und strebt nach kultureller Dichte. Mittlelalterliche Städte haben sich darin bewährt, menschliche und kulturelle Dichte im Ausgleich von Individuum und Gemeinschaft erfolgreich zugestalten. Das morphologische Gefäß eines mittelalterlichen Blockes neu zu bespielen und seine Lebens- und Zukunftsfähigkeit unter Beweis zu stellen ist das Ziel des Entwurfes. Neben vielfältigem innerstädtischem Wohn- und Freiraum sollen Ideen für eine Nutzung ohne Profitorientierung entwickelt werden. Wir befassen uns mit den architektonischen Themen Durchwegung, Gliederung der Baumassen, Höhenentwicklung, Einfügung in die denkmalgeschützten Strassenzüge.